Prokrastination

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Vor einiger Zeit erzählten wir euch bereits eine Geschichte von Motivation. Die heutige Erzählung soll von seinem jüngeren Bruder handeln. Denkt man an Persönlichkeiten wie ihn, denkt man zugleich an diesen einen Störenfried aus der Schulzeit, der jede Unterrichtsstunde störte, die Regeln des Sportunterrichts torpedierte und die Lehrer nur zu gern mit Vornamen ansprach. Ein Unruhestifter, wie er im Buche steht, hält er die anderen doch unentwegt vom Lernen und schlussendlich dem schulischen Erfolg ab. So ärgerlich er auch ist und so sehr man sich über jede seiner Unterbrechungen ärgert, so sehr muss man sich doch eines Tages eingestehen: Ohne ihn geht es genauso wenig.

Wie war noch der Moment, als dich die junge Referendarin nach der Übersetzung eines englischen Satzes fragte? Du wusstest, dass du es nicht weißt und nur er dich hätte retten können – und er tat es. Noch ehe du zugeben konntest, deine Hausaufgaben am Vortag für etwas Interessanteres liegen gelassen zu haben, schrie es aus der letzten Reihe: „Quak, quak, quak!“ Sobald das letzte k erklungen war, galt jede Aufmerksamkeit dem Ruhestörer. In diesem Moment zählt nicht die Unsicherheit, ob er mit diesen Lauten vielleicht auf deine entengleiche Gangart oder deine Vorliebe für Frösche aufmerksam machen wollte. Einzig und allein die abfallende Last spielt noch eine Rolle, die dir von den Schultern fällt, als du die restliche Luft aus deinen Lungen lässt, die seit der Aufforderung zur Übersetzung deiner Lehrerin in deiner Brust innehielt. Schon im nächsten Moment legt Motivation seine Hand behutsam auf deine Schulter, doch sein Blick ist mahnend: „Die Hausaufgaben für morgen werden aber sowas von gemacht!“

Wie es nun einmal so ist mit den Störenfrieden und Antreibern in unserem Leben, so hat auch Prokrastination seine Daseinsberechtigung. Wie oft wir uns auch über ihn ärgern, so oft kommt er uns doch auch entgegen, wenn er uns von Dingen ablenkt, für die wir vielleicht noch nicht bereit sind. Die Herausforderung besteht darin, ihn nicht schalten und walten zu lassen, wie es ihm gefällt, denn sonst findet man sich am Ende Kostüme strickend für die Hühner des nächsten Bauernhofes vor, während man doch eigentlich an der längst überfälligen Steuererklärung sitzen sollte. Um nicht vollends der dunklen Seite zu verfallen, gebe wir euch heute einige Tipps, mit denen ihr Prokrastination souverän ignorieren und gleichzeitig hin und wieder über seine Scherze schmunzeln könnt.

1.Die Beste Zeit ist jetzt!

Und das ist nicht nur so daher gesagt. Die 72-Stunden-Regel besagt, dass wenn wir uns etwas vornehmen und nicht innerhalb der nächsten 72 Stunden einen ersten Schritt in die Richtung des Vorgenommenen machen, die Chance, das Vorhaben überhaupt jemals zu beginnen, etwa gleich null ist. Also nich‘ lang schnacken!

2.Etwas zu schwänzen reimt sich auf dessen Konsequenzen

Klingt doof, ist aber so. Und eigentlich klingt auch das Wort „Konsequenzen“ doof oder zumindest recht negativ. Ein Beispiel für eine negative Konsequenz aufgrund einer aufgeschobenen Handlung wären die Strafgebühren, die du zahlen musst, weil du lieber das Unkraut zwischen den Pflastersteinen deines Gehweges hinausrupfst, als deine Steuererklärung fristgerecht abzugeben. Wenn du aber am Abend nach einer üppigen Mahlzeit das Chaos in der Küche noch beseitigst, anstatt nur das Licht auszumachen, kannst du dich am Morgen danach über eine saubere Küche freuen. Was für eine tolle Konsequenz ist das denn?!

3.Prioritäten setzen!

Die Liste deiner To-do’s ist dermaßen lang, das schreit geradezu nach Prokrastination, wenn du nicht ab morgen am Burnout-Syndrom leiden möchtest? Falsch! Nicht jede deiner Aufgaben ist gleich wichtig. Die Biotonne von innen schrubben? Kann auch nächste Woche gemacht werden. Zum Zahnarzt, weil der Speichel nach dem Zähneputzen schon lange nicht mehr weißlich-klar ist? Sofort zum Zahnarzt!

Eine zusätzliche Möglichkeit stellt hier das Delegieren dar. Der Gedanke an das versiffte Innere der Biotonne nervt dich auch während der Wurzelbehandlung noch? Einfach schnell das Handy nehmen und die Aufgabe noch im Wartezimmer an jemand anderes im Haushalt abgeben.

4.Eine Torte ist zum Teilen da

Niemand isst eine ganze Torte allein und in einem Stück, ohne in ein Zuckerkoma zu fallen oder den Besuch beim Zahnarzt als neues To-do wieder auf die Liste schreiben zu müssen. Manche Aufgaben scheinen derart groß und schlichtweg unerreichbar, dass wir sie gar nicht erst angehen. Du möchtest gerne 20 Kilo abnehmen, denkst dir aber, das schaffst du eh nicht, also wieso das Ganze starten? Ziele können erschreckend weit entfernt wirken. Da kann es helfen, die Strecke in einige wenige, kürzere Etappen aufzuteilen. Nimm dir erst einmal 5 Kilo vor und freue dich über deinen ersten, tollen Erfolg!

5.Lob und Belohnung

Oft gehen wir etwas gar nicht erst an, weil die Aussicht auf eine positive Rückmeldung fehlt. Paradoxerweise warten wir bei Feedback nicht selten auf nette Worte von anderen, dabei sollten wir viel öfter auf uns selbst hören und uns einfach freuen, wenn wir einen (Teil-)Erfolg feiern können. Wem das schwer fällt, der kann sich auch gerne für jeden geschaffte Kapitel seiner Abschlussarbeit mit einem Schokoriegel oder einem Film belohnen

6.Stoppt die Digitalisierung!

…zumindest, um Ablenkungen in wichtigen Phasen für andere Dinge zu vermeiden. Wer kennt es nicht: „So, jetzt fange ich an. Jetzt setze ich mich an die Unterlagen, die seit 4 Monaten auf mich warten und deren Staubschicht beinahe selbst ein Unterlagenhaufen geworden ist. (…) Hmm, was wohl die Kardashians gerade machen? Ein kurzer Blick kann doch nicht schaden.“ und schon vergehen 3,5 Stunden. Laptop zu, Glotze aus, Handy in die Schublade. Schublade abschließen und Schlüssel verschlucken. Natürlich nicht, aber vielleicht einem Mitbewohner geben oder in einem Zopfgummi verknoten, denn die findet man ohnehin niemals wieder.

Ehe du nun denkst „Was für ein interessanter Artikel. Den werde ich erst einmal in Ruhe überdenken müssen.“, sagen wir dir: Browser zu und ran ans Werk! 😉

PS: Nicht jeder prokratinativer Anfall kommt tatsächlich ungelegen, denn manchmal sagt er uns auch einfach nur, dass es noch nicht an der Zeit ist, ein Vorhaben anzugehen. Ob das so ist, sagt dir wie so oft dein Bauchgefühl (nicht zu verwechseln mit stechenden Bauchschmerzen nach dem Verspeisen einer ganzen Torte, weil du nicht teilen wolltest.)

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