Studium: Stress von gestern – Warum wir uns alle mal entspannt zurücklehnen sollten

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„Oh Gott, wenn ich die Klausur nicht bestehe, dann muss ich vielleicht noch ein Semester dranhängen. – Dann schaffe ich mein Studium nicht mehr in der Regelstudienzeit.“ Wer selbst studiert, dem kommen solche Sätze von Kommilitonen sicher bekannt vor. Oder vielleicht ist er dir selbst schon einmal, mitten in einem 24 Stunden Lernmarathon, über die Lippen gekommen?Aber woher kommt diese panische Angst sein Studium nicht in der von der Uni empfohlenen Zeit rechtzeitig bewältigen zu können? Und ist es wirklich so dramatisch ein oder sogar zwei (nur ein Gedanke – kein Grund zur Panik!) Semester länger als vorgegeben zu studieren? Sich die Zeit zu nehmen durch Praktika, erste Jobs oder ein Auslandssemester, Praxiserfahrung zu sammeln und sich so persönlich weiterzuentwickeln?

Von Kindesalter an kriegen wir immer wieder zu hören: „Lern fleißig und schreib bloß gute Noten – damit aus dir mal etwas Ordentliches wird!“ (Zitat: Mein Großvater). Auch unser beruflicher Werdegang wird vielen von uns schon früh vorgelebt. Erst Abitur, dann ein schnelles erfolgreiches Studium und mit 23 dann der erste richtige Job. Genauso wie es die Eltern vor einem bewältigt haben.

Auch in der sich immer schneller wandelnden Gesellschaft, mit der die Globalisierung einhergeht, wird Schnelligkeit mit Erfolg und Leistungsstärke gleichgesetzt. Um mit diesen Bedingungen und Standards also mithalten zu können, muss man selbst eben auch mindestens genauso schnell agieren. Studenten, wie die 22-jährige Elisabeth Durchovny, die sich zu diesem Thema in der Zeitschrift Zeit Campus äußerte, glaubt auch, dass Medien und Unternehmen ebenfalls diese Denkweise mit beeinflusst haben: „Wenn ich solche Karriereartikel lese, dann stehen dort Richtlinien drin, man braucht ein Semester im Ausland, Praktika, und das alles in der Regelstudienzeit“. Das sagt sie dort in einem Artikel über Studienzeit.[1]

Doch wie viele Studien und Umfragen mittlerweile belegen, ist es den Personalern zwangsläufig nicht mehr wichtig, wie lange jemand für sein Studium gebraucht hat, solange derjenige die Zeit sinnvoll für sich nutzt. So sprach sich beispielsweise der Personalmarketing- Chef von Bayer Bernd Schmitz in einem Interview mit Business Insider für das Sammeln von Praxiserfahrung aus: „Wenn ich einen Kandidaten habe für eine Stelle, egal in welchem Bereich, der sein G8-Abi gemacht und dann den Bachelor schnell durchgejagt hat und nie Praxiserfahrungen gesammelt hat — den kann ich eher als Azubi gebrauchen, aber der ist noch nicht voll einsatzfähig. Er weiß doch gar nicht, wie es ist, zu arbeiten. Das funktioniert nicht.“[2] Methodenkompetenzen sowie Praktika oder andere erste praktische Erfahrungen sind, so Schmitz, für Personaler bei Bewerbern viel ausschlaggebender als jemand, der sein Studium in Rekordzeit absolviert hat. Nicht nur für Schmitz, sondern auch für die meisten anderen Recruiter, steht eine ausgereifte Persönlichkeit und relevante Praxiserfahrung bei der Einstellung von Bewerbern an oberster Stelle. Dies belegt auch die Personalerbefragung der Firmen „Universum“ und „access KellyOCG“, in welcher über 5000 Personalmitarbeiter zu diesem Thema interviewt wurden. 87 % der Teilnehmer gaben an, dass die Persönlichkeit die einstellungsrelevanteste Qualifikation der Bewerber sei. Gefolgt von der Praxiserfahrung, die mit 71 % das zweit ausschlaggebendste Kriterium bei der Personalauswahl darstellt.[3]

Das alles heißt aber nicht, dass du dich jetzt auf die faule Haut legen kannst und du dein Bachelorabschluss auf das Jahr 2030 verlegen solltest. Denn Langzeitstudenten sind nun auch wieder nicht gerne gesehen 😉. Aber zumindest kannst du dich jetzt etwas entspannter zurücklehnen und weißt, dass es nicht unbedingt auf das ein oder andere Semester mehr ankommt und es auch weitere Möglichkeiten gibt, die Studienzeit sinnvoll zu gestalten, wie Projektarbeit oder andere praxisorientierte Tätigkeiten. Das wird dir sicherlich auch später bei deiner Suche nach dem idealen Job zu Gute kommen!

Bis dahin wünschen wir dir weiterhin viel Erfolg und Spaß bei deinem Studium und freuen uns etwas von dir zu hören! Dein Campus-Consult-Team! 😊

[1] (Quelle: https://www.zeit.de/campus/2011/02/Studenten-Studienlaufzeit/seite-2, aufgerufen am 19.02.2019).

[2] ( Quelle: https://www.businessinsider.de/der-recruiting-chef-von-bayer-erklaert-die-frage-2017-7, aufgerufen am 19.02.2019)

[3] (Quelle: https://crosswater-job-guide.com/archives/18509/personlichkeit-der-bewerber-wichtiger-als-praxiserfahrung/, aufgerufen am 19.02.2019)

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